Tierschutzverein Winterthur und Umgebung

Wissenswertes

Der Frühling ruft und die Katzenhalter verzweifeln

 02.04.2022 / Andreas Peter, Dr. Med. Vet. 

 

 

 Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen und nicht nur bei uns Menschen kommen Frühlingsgefühle auf, sondern auch in der Tierwelt. Unkastrierte Kätzinnen werden wieder rollig und unkastrierte Kater gehen weite Wege, um sich mit diesen zu paaren und so für Nachwuchs zu sorgen. Unkastrierte Kätzinnen werden von Februar bis Ende September (längeres Tageslicht) ca alle 3 Wochen rollig, was für die betroffenen Tiere mit Stress und hormonellen Schwankungen verbunden ist ; unkastrierte Kater gehen lange Distanzen, überqueren Strassen und dringen in fremde Reviere ein – Unfälle und Raufereien sind somit vorprogrammiert. Wird die Kätzin gedeckt, endet die Rolligkeit nach 2 – 4 Tagen, ohne Paarung kann die Dauer einer Rolligkeit bis zu 2 Wochen betragen.

Durch die Kastration (Operation, bei der die Eierstöcke bzw die Hoden entfernt werden) werden die Katzen häuslicher, anhänglicher, das Markierverhalten reduziert sich stark und die Gefahr von Unfällen, Bissverletzungen und Krankheiten wird deutlich reduziert. Kastrierte Katzen tolerieren fremde Artgenossen im eigenen Revier deutlich besser als vor der Kastration.

Die Kastration beeinflusst das Jagdverhalten der Katze nicht. Bis sich der Haushalt der Sexualhormone und der Stoffwechsel an die neue Situation angepasst hat, kann es mehrere Wochen dauern und in den ersten Tagen nach dem operativen Eingriff muss man seiner Katze die nötige Ruhe gönnen. Die Vorteile einer Kastration überwiegen ganz klar, auch aus Sicht des Tierschutzes, da so die unkontrollierte Vermehrung gestoppt wird.

Und der Vollmond? Es ist einfach bekannt, dass die Katzen aktiver sind, da die Nächte heller sind und der Melatoninspiegel im Blut dadurch erhöht ist. 

 Welpenimporte aus dem Ausland

12.03.2022 / Janine Dünner

 

  

 

Aufgrund der COVID19-Pandemie boomt zurzeit der Hunde- und Katzenkauf. Im Internet gibt es momentan viele Inserate von unseriösen Anbietern aus dem Ausland (z.B. Osteuropa), die mit Tierverkauf schnelles Geld machen wollen und leider auf das Tierwohl keine Rücksicht nehmen. Gemäss Amicus (nationale Datenbank für Hunde) stieg der Welpen-Import im Jahre 2020 sprunghaft um 28 % an. Dazu kommt die Dunkelziffer der illegal importierten Hunde, gemäss Zollverwaltung schätzungsweise mindestens 7600 Tiere im letzten Jahr.

Ende Oktober 2021 zeigte SRF den eindrücklichen DOK-Film «Auf der Spur der Hunde-Dealer». Im Film konnte man sehen, wie Hundehändler aus Osteuropa schwer kranke und traumatisierte Welpen nach Mitteleuropa, u.a. auch in die Schweiz, importieren.

Die Welpen werden viel zu früh von der Mutter getrennt. Ihr Immunsystem ist noch nicht gut ausgebildet und der mehrstündige Transport in die Schweiz ist sehr anstrengend für sie. Solche Transporte sind für Welpen immer ein grosses Risiko: Viele Welpen erkranken auf dem Transport schwer. Sie stecken sich gegenseitig an, z.B. mit der Hundeseuche «Parvovirose.» Parvovirose ist eine hochansteckende Infektionskrankheit. Symptome sind starker Durchfall, Erbrechen und hohes Fieber. Diese Erkrankung kann für das Tier lebensgefährlich sein, da es in kurzer Zeit viel Flüssigkeit verliert. Übertragen wird der Virus über den Kot der Hunde.

Die importierten Tiere haben oft keinen Heimtierpass bzw. keinen Mikrochip; ihre Herkunft bleibt unbekannt. Damit besteht die Gefahr, dass sie aus einem Tollwut-Risikoland stammen wie z.B. der Türkei, Moldawien oder Serbien. In diesen Ländern ist die Tollwut noch nicht ausgerottet. Die Krankheit endet für das Tier meistens tödlich, wenn nicht rechtzeitig eine Impfbehandlung erfolgt. Tollwut ist zudem auf den Menschen übertragbar. Oft müssen junge Hunde mit Tollwutverdacht eingeschläfert werden. Die Zahl der eingeschläferten Hunde in der Schweiz hat sich traurigerweise seit 2010 mehr als verdoppelt.

Manche Hundehändler fälschen sogar Tierpässe. Sie überschreiben z.B. Geburtsdaten der Tiere sowie Daten und Informationen über Impfungen, z.B. für Tollwutschutz. In einigen Fällen ermittelt nun die Staatsanwaltschaft.  

Uns liegt dieses Thema sehr am Herzen: Mit einer strengeren Gesetzgebung in der Schweiz wäre einiges vermeidbar. Unsere Gesetzgebung ist leider viel lascher als in der EU: Das Mindestalter von Hunden, das in der Schweiz für den Import erlaubt ist, beträgt 8 Wochen. In den meisten EU-Ländern dürfen Hunde hingegen erst ab 15 Wochen eingeführt werden. Bald ist die Schweiz das einzige Land in Westeuropa mit dieser Ausnahmebestimmung. Der Bundesrat prüft momentan eine Anpassung dazu. Es wäre absolut wünschenswert, wenn das Mindestalter auch bei uns erhöht würde und schweizweit eine Bewilligungspflicht für den Tierimport eingeführt würde. Ein solcher Tierhandel darf nicht mehr toleriert bzw. sollte in der Schweiz besser kontrolliert werden. Wir vom TSV Winterthur hoffen auf eine baldige Gesetzesänderung.  

Wer sich ein Tier zulegen möchte, sollte nichts überstürzen. Ein Tier sollte man bestimmt NIE ungesehen im Internet kaufen. Es handelt sich um ein Lebewesen, mit dem man eine langjährige Beziehung aufbaut und für das man sich Zeit nehmen soll. Deshalb sollte man sich zuerst einige Fragen stellen: Habe ich genügend Zeit? Kann ich den Bedürfnissen des Tieres gerecht werden? Passt der Charakter des Tieres zu mir? Kann ich mir ein Haustier finanziell auch leisten? Lassen meine Wohnverhältnisse eine Tierhaltung zu? Was passiert mit dem Tier, wenn ich krank werde?

Tierschutzvereine oder Tierheime bieten seriöse Beratungen an und überprüfen, ob ein Tier zu einem passt. Wird man dort nicht fündig, kann man auch einen professionellen Züchter aufsuchen.

Alle Tiere des Tierschutzvereines Winterthur sind übrigens geimpft und kastriert. Wir beraten Sie jederzeit gerne telefonisch oder bei uns in der Station.